Ich verfolge die regionalen Ausbau-Threads (Wallis, Albulatal, Surselva, die zwei Täler …) mit grossem Interesse. Was mir dabei gefehlt hat, war eine gesamtschweizerische Übersicht – also habe ich angefangen, eine Backbone-Karte zu bauen, die zeigt, was wo gemessen angebunden ist und wo die Lücken sind:
Kurz zur Methodik, damit klar ist, was die Linien bedeuten:
Durchgezogen = real gemessen (kiekr-SNR, Durchschnittswerte). Das ist die verlässliche Ebene.
Gestrichelt = vom MeshMap-Planner berechnet (Longley-Rice, Switzerland-Preset, SwissALTI3D-Gelände) – also plausibel, aber unbestätigt.
Gemessen schlägt immer die Berechnung.
Die grösste Unsicherheit – und da brauche ich euch: Aus den öffentlichen Daten (kiekr, MeshCore-Map) geht die Antennenhöhe über Grund nicht hervor. Die ist aber für jede Funkbudget-Berechnung entscheidend – gerade bei Hochstandorten und langen Strecken macht ein Unterschied von ein paar Metern Masthöhe über Erfolg oder Scheitern einer Verbindung aus. Der Planner rechnet deshalb mit Standard-Annahmen, was die berechneten (gestrichelten) Werte zu Schätzungen macht. Wer die reale Antennenhöhe seines Knotens kennt, helft mir bitte – das würde die Berechnungen deutlich verlässlicher machen.
Wichtig generell: Das ist work in progress und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder Perfektion. Ich habe sicher Knoten übersehen, falsch eingeordnet oder Werte erwischt, die sich schon wieder geändert haben. Genau dafür teile ich es – damit ihr korrigiert und ergänzt.
Was die Karte (für mich) sichtbar macht:
Ein recht dichtes, gut vernetztes Mittelland-Kernnetz.
Mehrere abgekoppelte Regionen – die Ostschweiz-Gruppe, der fragile Westschweiz-Faden über Les Fruitières, und vor allem Wallis und Graubünden, wo es zwar Höhenstandorte gibt, aber kaum stabile Anbindung.
Das deckt sich ziemlich genau mit dem, was in euren regionalen Threads diskutiert wird – die Karte führt es einfach mal an einem Ort zusammen.
Über Rückmeldungen freue ich mich: fehlende/falsche Knoten, reale Antennenhöhen, bessere Standort-Ideen, oder gemessene Links, die ich noch nicht habe.
finde ich eine interessante Übersicht! schau dir zum Abgleich mal die Ansicht welche ich aus Pfad Daten des von meinem Observer erfassten Verkehrs extrahiert habe an : Repeater Region und Path Map. Ich habe zwar keine SNR aber die Anzahl Pakete welche über einen Link geflossen sind. (Ganz wenige wichtige Repeater,z.Bsp Bantiger unterstützen noch keine 2Byte Pfade, deshalb nicht erfasst).
Die Verbindung Transalp-Stanserhorn oder z.Bsp Zugerberg-Gottschalkenberg welche du listest, sehe ich nicht in meinen Daten. evtl sind die Repeater nicht genau an den publizierten Koordinaten platziert ? Zusätzlich gibt es basierend auf meinen Daten noch einige Pfade zwischen den “Backbone” Repeatern welche du nicht listest. Auf meiner Map kann man übrigens einen Repeater selektieren so dass nur dessen Nachbarn sichtbar. Ohne Filter ist es sehr unüberschaubar.
Danke, deine Path-Map ist eine super Ergänzung — sie zeigt eine Ebene, die mir fehlt: real geflossener Verkehr.
Kurz zu meinen Linien: Ich nutze zwei Ebenen — kiekr (gemessene SNR, durchgezogen) und den MeshMap-Planner (berechnet, gestrichelt). Der Planner misst nicht, sondern rechnet das Funkbudget mit dem Longley-Rice-Modell (dasselbe etablierte Ausbreitungsmodell wie SPLAT! oder Radio Mobile) über das SwissALTI3D-Höhenmodell von swisstopo (via Mapterhorn, Quelle 0.5 m) — also „wäre möglich", nicht „läuft real".
Das erklärt die zwei Links, die du nicht siehst: TRANSALP↔Stanserhorn und Zugerberg↔Gottschalkenberg sind berechnete Links — nur weil dafür noch keine kiekr-Messdaten vorliegen. Sobald eine Messung vorliegt, würden sie durchgezogen. Dass dort (in deinem Sichtfeld) kein Verkehr läuft, passt ins Bild — beweist aber nicht, dass es nicht geht; es kann auch einfach die Beobachtung fehlen.
Koordinaten: Wir ziehen beide aus der offiziellen MeshCore-Map, das erklärt den Unterschied also nicht. (Grössere Unbekannte bleibt die Antennenhöhe über Grund — nirgends publiziert.)
Apropos Datenbasis: kiekr kann selbst zur Coverage-Map beitragen — viele wissen das nicht. Unter Settings → Community upload aktiviert, leitet die App die ohnehin empfangenen Adverts (signiert, ohne IP/Inhalt) an map.kiekr.app weiter. Je mehr Leute das einschalten und zum Observer werden, desto besser wird die gemessene Abdeckung, gerade in den heute schwachen Regionen. Wer mehr will: kiekr hat auch eine MQTT-Bridge, die rohe Pakete an Analyzer wie Meshcorenetz/LetsMesh weitergibt — quasi ein vollwertiger Observer.
Würdest du die Pfade teilen, die du zwischen den überregionalen Backbone-Repeatern siehst? Mir geht’s gezielt ums nationale Rückgrat, weniger um die lokale Verteilung. Falls deine Map eine API oder einen Export hat, könnte ich direkt abgleichen.
Noch ein Gedanke zum Unterschied unserer Datenebenen, der mir wichtig ist:
Deine Paket-Zählung zeigt, dass ein Link genutzt wird — ein wertvoller Betriebsnachweis. Aber sie sagt nichts über die Qualität des Links. Genau dafür ist der SNR (kiekr) entscheidend: Er zeigt die Reserve über der Empfindlichkeitsschwelle — also wie robust ein Link ist, ob er bei schlechteren Bedingungen (Wetter, Last, Fading) noch hält oder kippt.
Fürs Backbone ist das der springende Punkt: Ein Link mit +10 dB SNR ist solide, einer mit −7 dB funktioniert vielleicht heute, ist aber fragil. Über beide können gleich viele Pakete fliessen — die Paketzahl unterscheidet sie nicht, der SNR schon. Für einen Backbone braucht es stabil laufende Links mit “gutem” SNR.
Deshalb sehe ich unsere Daten als komplementär: dein Paketfluss = wird genutzt, kiekr-SNR = wie belastbar, Planner = wäre möglich. Erst zusammen ergibt das ein vollständiges Bild eines Backbone-Links.
FYI, ich betreibe einen MeshCore Repeater (HB9HNO Repeater) am oberen Zürichsee, er ist auf (436m Siebnen + 3m Balkon + 3m Mast) 442m Höhe über Meer.
Zudem planen wir (HB9UF) einen Repeater auf dem UTO. Die konkreten Einstellungsdetails sind wir noch am diskutieren. Deine Erfa könnte auch noch einfliessen. Auf jeden Fall werden wir es dann beobachten und feintunen, dazu haben wir per Hamnet Zugriff.
Eine gewisse Redundanz kann aber nicht schaden. Wenn ich die genauen Koordinaten habe, plus Masthöhe, kann ich mal prüfen, was theoretisch möglich wäre. HB9HNO eignet sich eher nicht als Backbone-Kandidat.
Danke — die Anbindung ZH–GL wäre genau eine der Lücken, die ich auf der Karte sehe.
Für die Planner-Berechnung bräuchte ich allerdings die genauen Koordinaten in Dezimalgraden (z.B. 47.3542, 8.4583). Der 6-stellige Locator JN47FI deckt ein Feld von ~5 × 5 km ab — das ist für die Funkbudget-Rechnung über Gelände leider zu grob, gerade bei Sichtlinien über Grate macht ein Kilometer viel aus.
Hättest du die exakte Position des geplanten Standorts (bzw. die Koordinaten des HB9UF-Relais, wenn er direkt daneben kommt)?
@HB9VQQ vielen Dank für den Tipp dass die KiekR App auch Daten zur Abdeckungskarte beitragen kann! In der Surselva empfange ich mehr oder weniger regelmässig Nachrichten und ganz selten geht auch mal eine raus nach Chur…
Das HB9UF Relais ist im Hotel UTO Kulm untergebracht, die Antenne ist auf dem Dach des Hotels: 47.3495771592587, 8.490741174214595. Höhe: ca. +3m über dem Dach. Da wird auch die MeshCore Antenne hin kommen.
Top, danke für die genauen Koordinaten! Ich hab den Standort Uto Kulm gleich mal im Planner durchgerechnet (868 m, Antenne 15 m über Grund, 22 dBm, 2 dBi) — und das Ergebnis ist hervorragend.
Der Üetliberg sähe mit sehr guten Margen gleich mehrere Backbone-Knoten:
LagMesh +28.7 dB (16 km, 100% Fresnel)
Zugerberg +25.7 / Gottschalkenberg +25.2 (je 23–24 km, 100%)
Iddaburg +24.6 (37 km, 100%)
Stanserhorn +19.3 und Fronalpstock +20.1 (100%)
dazu Felix +17.2, Wildspitz +23.3, und sogar TRANSALP +12.9 über 98 km
Das wäre ein erstklassiger zentraler Hub — exponierte Lage, etablierter Antennenstandort, kurze Wege ins bestehende Netz. Sobald der Knoten steht und Adverts sendet, nehme ich ihn gern auf die Backbone-Karte. Sag einfach Bescheid, wenn er live ist.
Was die ZH–GL-Verbindung angeht: Richtung Glarnerland ist’s vom Üetli aus topografisch schwieriger (Sicht durch die Voralpen verdeckt) — aber genau dafür könnten Knoten wie Fronalpstock oder Stanserhorn als Zwischenschritt dienen. Wenn dein GL-Standort dann steht, rechne ich die Strecke gern durch.
Gern — und super, dass du in der Surselva bist! Genau die Region ist auf meiner Karte noch ein weisser Fleck, weil dort bisher kaum kiekr-Messdaten existieren. Wenn du die Coverage-Contribution aktivierst, wären deine Beobachtungen die ersten echten Messpunkte aus dem Bündnerland — das würde enorm helfen.
Dass es Richtung Chur nur „ganz selten" rausgeht, passt leider ins Bild: Die Anbindung der Surselva ans übrige Netz ist noch sehr fragil. Genau solche Praxis-Erfahrungen sind wertvoll — sie zeigen, wo es real hakt, nicht nur in der Theorie.
Ich habe die möglichen Pfade für eine Wallis-Anbindung durch den MeshMap-Planner laufen lassen. Kernbefund: Ein einziger neuer Höhenknoten auf der Pointe de la Plaine Morte (2927 m) würde die Lücke schliessen – er sieht rechnerisch gleichzeitig das Unterwallis (Roc Blanc +19.8 dB) und das Oberwallis (Glishoru +20.9 dB), beide 100 % Fresnel. Ergänzend bindet Vercorin (1300 m) das Sierre-Tal an und ist als erschlossener Standort praktisch einfacher zu realisieren; Chaux de Mont (2206 m) käme als weitere Anbindung Richtung Roc Blanc dazu.
Das sind Planner-Funkbudgets für noch nicht gebaute Knoten – ob dort real etwas aufgebaut werden könnte, ist eine andere Frage. Es ist gut möglich, dass es noch weitere Lösungsansätze gibt. Just my 2 cents.
CHIX Hasenmatt ist von mir, lass mich wissen falls du dazu noch irgendwelche bräuchtest. Dieser läuft auf dem Spitz einer Tanne am höchsten Punkt vom Hasenmatt, ca. 3 Meter über Boden.
Ein Gedanke noch: Wir sollten nur Solar-Betriebene Repeater als Backbone Repeater betrachten, nicht das der Backbone dann schon kollabiert wegen einem kleinen lokalen Stromausfall.
Hab ich das richtig verstanden? Der Repeater ist lediglich 3m über Grund (an der Spitze der Tanne)? Sieht im Bild höher aus.
Bei den Standortkoordinaten verlasse ich mich auf die in der MC-map eingetragenen Längen- und Breitengrade. Solarbetrieben bin ich bei Dir, da bin ich aber letztlich auf die Angaben der jeweiligen Betreiber angewiesen. Ich gehe aber davon aus, dass die meisten Hochstandorte solarbetrieben sind. Ich überlege noch, wie wir so eine Liste der Backbone-Nodes strukturiert pflegen könnten. Ideen? Inhaltlich, Sysop Kontaktinfos, Repeter Details etc.