Hallo DarkBalduin, werte Community.
Du sprichst ein wichtiges Thema an. Tatsächlich sind einige Hardwaredesigns (auch käufliche) in Bezug auf die Antennenmontage naja, ein wenig suboptimal gestaltet.
Bei Antennen gibt es nebst des VSWR (auch Rückflussdämpfung genannt) welches du angesprochen hast, noch weitere wichtige Parameter. Zuallererst natürlich die Resonanzfrequenz, welche sich möglichst nicht von der Betriebsfrequenz unterscheiden sollte, sowie den Antennenwirkungsgrad. Dieser ist letztendlich massgebend für den Anteil der eingespiesenen Energie, welche ins Freifeld abgestrahlt wird.
Das VSWR hat nur einen geringen Zusammenhang mit dem Wirkungsgrad, was ich anhand eines Beispiels erläutern kann: Ein Abschlusswiderstand (in unserem Fall 50 Ohm) hat über eine grosse Bandbreite ein gutes (tiefes) VSWR, aber einen schlechten Wirkungsgrad, Idealerweise wandelt er die komplette eingespiesene Leistung in Wärme um.
Eine Antenne mit einem guten Wirkungsgrad hat aber typischerweise auch ein tiefes VSWR, weil ja sonst die reflektierte Leistung nicht abgestrahlt werden kann.
Diese Werte werden tatsächlich stark durch das Nahfeld der Antenne beeinflusst. Man spricht z.B. bei Antennen von tragbaren Geräten auch von “Handempfindlichkeit”. Je nach Bauart der Antenne ist der Einfluss des Nahfeldes grösser oder kleiner. Bei elektrisch verkürzten Antennen (z.B. Wendelantennen) ist dieser Einfluss erheblich grösser als bei Antennen mit voller Länge (z.B. Dipolantenne, Groundplane, Quad-Antenne etc.).
Bei der, in meinem vorherigen Beitrag genannte Antenne handelt es sich um einen mittengespeisten Dipol, welcher innerhalb des Kunststoffstabs auf einer Leiterplatte realisiert ist. Diese Bauform benötigt kein “Gegengewicht” in Form einer Metallfläche oder in Form von resonanten Metallstäben (auch “Radials” genannt). Andere Bauformen, wie z.B. die kurzen mitgelieferten Stummelantennen der “RAK Starterkits” würden von einer solchen Massefläche profitieren.
In den zwei letzten Entwürfen für Repeater an einem exponierten Standort habe ich im Innern des Polycarbonatgehäuses einen Metallrahmen angebracht, welcher über eine kurze flexible Verbindung mit dem Aussenleiter der SMA Antennenbuchse verbunden ist:
Der Rahmen soll die Batterien sauber an ihrem Platz halten, sowie die Ableitung statischer Elektrizität in die Gehäusestruktur verbessern. Mal schauen, ob das etwas bringt 
Und zum Schluss teile ich noch die Resultate eines Experiments, welches den Einfluss von jeglichem Material im Nahfeld der Antenne verdeutlicht. Ich habe hierzu die eingangs erwähnte Antenne einmal im Originalzustand und einmal mit einem übergezogenen Schrumpfschlauch gemessen:
Rechts im Bild die, im Bereich des Strahlers unmodifizierte Antenne, links der übergezogene Schrumpfschlauch.
Da der Schrumpfschlauch (Material Polyolefin) eine andere Dielektrizitätskonstante als Luft aufweist, verändert er die wirksame elektrische Länge der Antenne. In unserem Fall sinkt die Resonanzfrequenz:
Der schwarze Trace ist ohne Schrumpfschlauch, der pink Trace ist mit dem Schrumpfschlauch. Da die Resonanzfrequenz bereits im Originalzustand eher zu tief ist, würde der Überzug mit Schrumpfschlauch die Situation noch verschlechtern.
Nun kann man sich noch die Frage stellen warum man überhaupt auf die Idee kommen kann, einen Schrumpfschlauch über eine schöne Antenne und gut funktionierende Antenne zu ziehen…
Meine Überlegung war: Zusätzlicher Schutz gegen UV Strahlung. Da ich das Verhalten des vorhandenen Materials nicht kenne, dieses von Polyolefin hingegen schon, wäre dies eine Versicherung gegen vorzeitiges Verspröden und den damit zwangsläufig früher oder später eintretenden Bruch.
L.G. Christoph